Profi? Klares Jaein!
Wahnsinn, mein letzter Eintrag auf dieser Seite stammt noch aus dem PrΓ€-Corona-Zeitalter. Fast drei Jahre sind seitdem vergangen, fast drei Jahre, in denen viel passiert ist.Β
Die wichtigste Frage, die mich und wahrscheinlich auch einige andere ab und zu beschΓ€ftigt: ist der Liebelt eigentlich noch Triathlon-Profi? Diese Frage kann ich mit einem klaren βJaeinβ beantworten!Β
JA
β¦weil der Triathlonsport fΓΌr mich als Athlet und Trainer nach wie vor eine groΓe Rolle in meinem Leben einnimmt und fΓΌr mich nicht wegzudenken ist.
NEIN
β¦weil ich nach einigen Stationen in den vergangen 2,5 Jahren mittlerweile beruflich fest und glΓΌcklich im Sattel sitze und weil, fΓΌr mich, ein Leben ohne Hauptjob, der fΓΌr das Grundeinkommen sorgt, ebenfalls nicht mehr wegzudenken ist. Denn immerhin habe ich fΓΌr eine Familie mit zwei Kindern sowie zwei Hunden zu sorgen und mittlerweile auch ein HΓ€uschen abzubezahlen.Β
Und wie geht es jetzt weiter?
Mit dem Dasein als reiner Age-Group-Athlet kann ich mich noch nicht ganz anfreunden. Trotz sehr wenig Training, vor allem durch Hausrenovierung im vergangenen Jahr, konnte ich noch gute Leistungen abrufen. So habe ich letztes Jahr bspw. den RΓΌhn Triathlon ΓΌber die Mitteldistanz und den Stralsund Triathlon ΓΌber die Olympische Distanz gewonnen und habe persΓΆnliche Bestzeiten ΓΌber die 10km- sowie die Halbmarathonstrecke erzielt.
Mittlerweile haben sich Beruf, Privates und Training gut eingependelt und kann ich wieder mehr und strukturierter trainieren. So nutze ich bspw. meinen Arbeitsweg nach Schwerin (42-45km pro Strecke) regelmΓ€Γig fΓΌr das Radtraining.Β

WettkΓ€mpfe habe ich in diesem Jahr bereits einige bestritten. Im FrΓΌhjahr bin ich mehrere Halbmarathons gelaufen und konnte beim Rostocker Citylauf (Platz 2) sogar eine neue persΓΆnliche Bestzeit auf DLV-vermessener Strecke erzielen (1:10h, 3:18 min/km).
Mein Triathlon-Saisonstart erfolgte dann relativ spontan Anfang Juni beim Omni Biotic Apfelland Triathlon ΓΌber die Mitteldistanz in der NΓ€he von Graz, Γsterreich. FΓΌr die anschlieΓende Woche hatten wir Urlaub auf einer AlmhΓΌtte in Tirol gebucht, von daher konnten wir das gut verbinden. Wir fuhren Freitagnachmittag los und kamen nach einer Nachtfahrt am frΓΌhen Samstagmorgen, einen Tag vor Start, im SΓΌden Γsterreichs an.

Der professionell organisierte Wettkampf, malerische Landschaften sowie ein Gesamtpreisgeld von 20.000 EUR (mehr als bei vielen IRONMAN-70.3-Rennen) lockten ein dementsprechend starkes Starterfeld an. Meine eigenen Erwartungen waren relativ niedrig. Ich wollte einfach ins Ziel kommen, dabei meine bestmΓΆgliche Leistung bringen und am Ende sehen, wo ich stehe. SchlieΓlich hab ich ja nichts zu verlieren, nur zu gewinnen. Das ist das schΓΆne daran, wenn man nicht mehr existentiell vom Sport abhΓ€ngig ist. Der Druck ist weg, das Kribbeln und die NervositΓ€t vorm Start sind noch immer da!

Und so frei von Druck konnte ich mit Platz 5 ein, fΓΌr mich, sensationelles Ergebnis erzielen und mit dem Preisgeld direkt unsere Unterkunft fΓΌr die Urlaubswoche refinanzieren. Das Radfahren beendete ich noch auf Platz 6, schlug dann beim Laufen ein hohes Tempo an und ΓΌberholte relativ schnell die beiden vor mir liegenden Jungs, Michi Kalb und Philipp Mock. Leider konnte ich in der letzten von vier Laufrunden das Tempo nicht mehr ganz halten und das heiΓe Wetter machte mir zusΓ€tzlich zu schaffen. Philipp kΓ€mpfte sich wieder heran und ich verlor den 4. Platz kurz vor dem Ziel. Die Freude ΓΌber den 5. Platz, mein eigenes gutes Rennen und das Preisgeld ΓΌberwogen den Γrger ΓΌber die wenigen Sekunden Abstand allerdings deutlich, denn ich habe wirklich alles gegeben und konnte mir nichts vorwerfen.

FΓΌr uns folgte nun eine Woche Aktiv-Urlaub in Osttirol. Aufgrund unserer speziellen Unterkunft, einer AlmhΓΌtte auf 1.600 m HΓΆhe mit einer unbefestigten Zufahrt (5 km, 600 hm) lieh ich mir vor Ort ein Mountainbike aus und absolvierte mein Radtraining hauptsΓ€chlich auf grobstolligen Reifen. Ich erholte mich schnell und traf die Entscheidung auf der RΓΌckfahrt noch beim Powertriathlon Gera ΓΌber die olympische Distanz zu starten. Auch das bot sich an, da wir ein Nacht bei meinen GroΓeltern in Zwickau auf dem RΓΌckweg eingeplant hatten.

Den Wettkampf konnte ich recht souverΓ€n gewinnen und war froh, dass an diesem Tag die Hitze (37 Grad) mein grΓΆΓter Gegner war und ich nicht noch mehr gefordert wurde. In der ARD-Mediathek findet Ihr einen schΓΆnen Beitrag.

Wiederum eine Woche spΓ€ter stand der Schwerin Triathlon ΓΌber die Mitteldistanz auf dem Programm. Nach der schnellsten Radzeit (1:58h fΓΌr 86km, 12 Runden, 22 180-Grad-Wenden) wechselte ich zusammen mit Christoph Mattner in FΓΌhrung liegend zum Laufen. Dort konnte ich, bei erneut schwΓΌl-heiΓen Bedingungen, seiner extrem starken Pace leider nicht folgen und da er auch nicht langsamer wurde, blieb es bei Platz 2 im Ziel. Insgesamt war es ein guter Abschluss meiner ersten Triathlon-Serie 2022.
Mit dem MΓΌritz Triathlon und dem IRONMAN 70.3 Gdynia soll es nun eigentlich weitergehen. “Eigentlich” darum, weil ich diese Zeilen gerade im Krankenhaus schreibe und einen kleinen RΓΌckschlag hinnehmen musste, nachdem es in den vergangen Wochen im Training extrem gut lief.
Letzten Freitag bekam ich plΓΆtzlich starke Schmerzen im Hodenbereich, ΓΌber Nacht kam noch SchΓΌttelfrost dazu und die Schmerzen wurden nicht weniger. Daraufhin bin ich am Samstagmorgen in die Notaufnahme gefahren, wo die Diagnose NebenhodenentzΓΌndung durch bakterielle Infektion gestellt und ich gleich dabehalten wurde. AusgelΓΆst wahrscheinlich durch Bakterien, die bereits im KΓΆrper waren, nicht abgewehrt werden konnten und gewandert sind. Manchmal kommt es aber wohl auch einfach so einmal im Leben, wie eine MandelentzΓΌndung. FΓΌr mich auf jeden Fall eine ganz neue Erfahrung und eine Sache mit der Man(n) ΓΌberhaupt nicht rechnet.
Nach viel Ruhe und Antibiotika intravenΓΆs geht es mir heute schon viel besser. Ich kann nach Hause, muss aber noch ein paar Tage Antibiotika nehmen. Vom Verlauf des Heilungsprozesses hΓ€ngt nun natΓΌrlich auch die weitere Wettkampfplanung ab. Mit dem IRONMAN 70.3 Jesolo in Italien am 25. September habe ich auf jeden Fall noch ein spΓ€tes (Triathlon-)Ziel auf dem Zettel und Ende Oktober mΓΆchte ich in Frankfurt auch noch einen schnellen Marathon laufen.
8:03:15 h
Der IRONMAN Schweden ist nun schon ΓΌber zwei Wochen her aber erst jetzt komme ich dazu meinen Blog fertig zu schreiben. Die Woche nach dem Wettkampf habe ich im Urlaub mit der Familie in Schweden zur kΓΆrperlichen und mentalen Erholung genutzt. ZurΓΌck daheim hatte uns auch schon der Trainings- und Arbeitsalltag wieder. Da meine kleine Tochter heute krank geworden ist und so nicht in die Kita gehen kann, darf ich einen Tag mit Ihr zuhause verbringen und habe etwas Zeit den Wettkampfbericht zu vollenden…
8:42 – 8:27 – 8:03 … Wow! NatΓΌrlich hatte ich vorweg davon getrΓ€umt mΓΆglichst nah an die 8h-Marke heranzukommen. Dass meine dritte Langdistanz im Ziel bereits so schnell vorbei ist, habe ich aber nicht wirklich erwartet. Bei der letzten Austragung des Rennens hΓ€tte diese Zeit zum Sieg gereicht und weniger als 14 Minuten RΓΌckstand auf den Sieger bei den meisten anderen IRONMAN WettkΓ€mpfen fΓΌr mindestens eine Top5-Platzierung. An diesem Tag war es leider “nur” gut genug fΓΌr den achten Platz.
Die Startliste fΓΌr den IRONMAN Schweden war groΓ und gespickt mit einigen Top-Namen. TatsΓ€chlich sprangen 40 Profi-MΓ€nner am Wettkampfmorgen in die knapp 19 Grad warme Ostsee. Das Schwimmen verlief nahezu perfekt. Ich konnte mich in der groΓen Verfolgergruppe positionieren und mit gut drei Minuten RΓΌckstand auf die Spitzengruppe aus dem Wasser steigen. Die gΓΌnstige StrΓΆmung auf der zweiten HΓ€lfte der Strecke schenkte uns sicher ca. 1:30 min, denn eine Schwimmzeit von 48:43 min ist fΓΌr mich auΓergewΓΆhnlich schnell.
Beim Radfahren fand ich direkt gut in Tritt und machte zusammen mit dem spΓ€teren Sieger Boris Stein Tempo. Ein GroΓteil der Gruppe hing uns im Nacken, was mir natΓΌrlich nicht wirklich passte. Ab Km 12 war ich an der Spitze der Gruppe und gab diese erstmal nicht mehr ab. Auch als ich das Tempo etwas reduzierte wollte niemand die Arbeit im Gegenwind ΓΌbernehmen… also das gleiche Spiel wie immer. Nach ca. 30 km fΓΌhrt die Radstrecke in einer kleinen Schleife mit einigen 90-Grad-Kurven durch das Γrtchen MΓΆrbylanga auf der Insel Γland. Ich nutzte diesen Abschnitt fΓΌr eine Attacke und konnte eine LΓΌcke reiΓen. Leider fuhr Boris diese wieder zu und der Rest der Gruppe folgte ihm. Mir war bewusst einen Radfahrer vom Kaliber eines Boris Stein nicht abschΓΌtteln zu kΓΆnnen, ich hoffte aber, dass er direkt mitgehen wΓΌrde. Also weiter in vorheriger Konstellation im Gegenwind Richtung Degerhamn, dem sΓΌdlichsten Punkt der Radstrecke. Von dort an sollte es erst Richtung Osten, spΓ€ter Richtung Norden gehen. Das bedeutete, Seiten- und RΓΌckenwind, der den Windschatteneffekt verkleinern und die Chance auf ein Wegkommen vergrΓΆΓern sollte. Genau das dachte wohl auch Boris, ΓΌberholte mich und attackierte im kleinen Anstieg in Degerhamn. Ich ging erstmal mit, musste aber in der kurz darauf folgenden Verpflegungsstelle etwas aufnehmen und verlor den Anschluss. Ich entschied mich, die LΓΌcke nicht auf Krampf zu schlieΓen, sondern mein eigenes Tempo weiterzufahren. Immerhin war ein GroΓteil der Gruppe abgehΓ€ngt, nur der Australier Matt Burton folgte mir im fairen Abstand.
Nach ca. 90 km konnte ich mich auch von ihm langsam absetzen, nach ca. 100 km ΓΌberholte ich Igor Amorelli und Dennis Chevrot, nach ca. 125 km Gulio Molinari, groΓe Namen – ich wusste, ich lag gut im Rennen. Bei Km 150 kommt man zum letzten Wendepunkt der Strecke. Ich sah das FΓΌhrungsfahrzeug und dahinter Boris, anschlieΓend den Schweden Karl-Johan Danielsson und dann…. nichts! Ich war Dritter und fΓΌhlte mich gut, es hΓ€tte bis hierhin nicht viel besser laufen kΓΆnnen. Die letzten 30 km waren dank Gegenwind zwar nicht mehr die schnellsten, trotzdem bog ich nach genau 5 Stunden Wettkampfzeit und der zweitschnellsten Radzeit (4:09:49 h) noch immer an Position drei liegend in die Wechselzone. Da ich in den sozialen Medien bereits einige Kommentare diesbezΓΌglich lesen konnte: nein die Radstrecke war nicht maΓgeblich zu kurz. Nach meiner Garmin-Aufzeichnung 179,5 km und ca. 600 hm, also verhΓ€ltnismΓ€Γig genau vermessen. Und fΓΌr alle, die es interessiert: Meine Durchschnittsleistung betrug SRM-gemessene 304 W (NP 309 W) und die Geschwindigkeit 43,2 km/h.
Die ersten Laufkilometer gingen locker und zΓΌgig vorbei, unterbrochen nur von einer kurzen Pinkelpause. Ich versuchte mich gut zu verpflegen und nicht zu ΓΌberziehen, das klappte in der ersten Runde sehr gut. Zwar musste ich den schnellen DΓ€nen Mathias Petersen ziehen lassen, ΓΌberholte aber den noch vor mir liegenden Schweden und befand mich weiterhin auf Platz drei. Der Halbmarathon war nach knapp 1:25 h erledigt, noch voll im Plan aber es wurde schwer. Nach 24 km ΓΌberholten mich zwei Athleten, nach 28 km ein weiterer. Jetzt war ich richtig im Tief, sowohl mental als auch kΓΆrperlich. Eben noch auf dem Podium, jetzt nur noch auf Platz 6. Ich versuchte mich weiter gut zu verpflegen, immer im Laufschritt zu bleiben und motivierte mich an der, immer noch, hervorragenden Zeit. Auch, wenn ich immer wieder kleine SchwΓ€cheanfΓ€lle hatte, funktionierte das einigermaΓen gut. Zwei schnell laufende Spanier musste ich leider noch passieren lassen, bevor ich schlieΓlich als 8. das Ziel erreichte. (Die Laufstrecke war ΓΌbrigens ganz genau vermessen!)
Ich durchlebte einen Mix von Emotionen. Einerseits eine tiefe EnttΓ€uschung ΓΌber die “schlechte” Platzierung, auf der anderen Seite die Freude ΓΌber die geniale Zeit und der Stolz mich durch die vielen schweren Momente gekΓ€mpft zu haben.
NΓΌchtern betrachtet habe ich meine Minimalziele, Preisgeldrang (Top10) und Verbesserung meiner Bestzeit, geschafft. Beim Schwimmen konnte ich mich, fΓΌr meine VerhΓ€ltnisse, perfekt positionieren und beim Radfahren mit einer konstanten Leistung eine extrem schnelle Zeit abliefern, auch wenn ich hier taktisch, mal wieder, den ein oder anderen Fehler gemacht habe. Meine ErnΓ€hrungsstrategie hat gepasst und ich hatte in der Hinsicht keinerlei Probleme.
Leider habe ich es nicht geschafft meine gute Laufform im Marathon umzusetzen. Ich habe in der Vorbereitung einige vielversprechende Einheiten absolviert, aber IRONMAN bleibt eben IRONMAN und was auf den letzten 20 km passiert, das kann man einfach nicht trainieren. Zudem schleppte ich wohl schon eine Zahn-EntzΓΌndung mit mir herum, denn in den Tagen nach dem Rennen bekam ich starke Schmerzen und musste mich einer umfangreichen Behandlung unterziehen. Das soll natΓΌrlich keine Ausrede sein, aber leistungsfΓΆrdernd war es nach Aussage meines Arztes sicher nicht.
Wie geht es jetzt weiter? Schon vor vielen Jahren hatte ich das Ziel “Kona 2020” vor Augen. Im Alter von 30 Jahren wollte ich meine erste Hawaii-Qualifikation schaffen. Mit der Leistung aus Kalmar im RΓΌcken ist dieses Vorhaben nun definitiv realistisch und ich werde in den kommenden Monaten alles daran setzen es zu erreichen. Den ersten Versuch einer frΓΌhzeitigen Qualifikation werde ich beim IRONMAN Barcelona am 6. Oktober unternehmen.
Jetzt kΓΌmmere ich mich erstmal um das Mittagessen fΓΌr meine Tochter und danach wieder um mein eigenes Training! π
P.S.: FΓΌr alle, dies interessiert, im Folgenden noch eine kurze Zusammenfassung ΓΌber das, was vor der Langdistanz in Schweden Wettkampf-technisch passiert ist:
Vor dem IRONMAN in Kalmar hatte ich drei weitere Mitteldistanzen absolviert. Beim Chiemsee Triathlon wurde ich nach einer extremen Hitzeschlacht guter 4., leider fehlten wieder nur wenige Sekunden aufs Podium. Nach dem Rennen war ich schnell erholt und entschied mich noch beim IRONMAN 70.3 Schweden in JΓΆnkΓΆping an den Start zu gehen. Allerdings machten sich die vielen WettkΓ€mpfe und wahrscheinlich auch der krasse Wetterunterschied im Vergleich zum Chiemsee (ΓΌber 35 Grad – maximal 15 Grad) bemerkbar. Beim Laufen fehlte mir etwas die Frische und es reichte in einem starken Feld “nur” zu Platz 6.
AnschlieΓend entschied ich mich meinem KΓΆrper ein paar Tage Regeneration zu gΓΆnnen und nicht direkt das Training fΓΌr den ursprΓΌnglich geplanten IM Hamburg aufzunehmen sondern erst beim drei Wochen spΓ€ter stattfindenden IM Schweden meine nΓ€chste Langdistanz zu absolvieren. Einen Tag vor Hamburg startete ich stattdessen beim MΓΌritz Triathlon ΓΌber die Mitteldistanz und konnte diesen souverΓ€n nach 3:29 h gewinnen. Damit schrammte ich nur hauchdΓΌnn am uralten Streckenrekord vorbei und war sogar schneller als die Raelert-BrΓΌder, welche beide dieses Rennen in den vergangenen Jahren absolviert haben.
Am nΓ€chsten Tag fuhr ich trotzdem nach Hamburg und schlΓΌpfte in die Rolle des Supporters um meine Athleten Martin und Gunnar zu unterstΓΌtzen. Martin holte sich an dem Tag nicht nur seinen ersehnten Hawaii-Slot, Platz drei in seiner Altersklasse bedeute zudem den Deutschen Meistertitel bei den 40-44jΓ€hrigen! Somit habe ich die Hawaii-Qualifikation zuerst als Trainer geschafft, jetzt gilt es natΓΌrlich als Athlet nachzulegen. π
Besser spΓ€t als nie…
Es ist Juni wir sind bereits mitten in der europΓ€ischen Triathlonsaison und wahrscheinlich reichlich spΓ€t fΓΌr einen ersten Blogbeitrag β Entschuldigung dafΓΌr. Aber die Kombination als Sportler, Trainer und Familienvater lΓ€sst gerade nicht sehr viel freie Zeit zu. Nichtsdestotrotz mΓΆchte ich meinen bisherigen Saisonverlauf hier zusammenfassen.
Da mein letzter Beitrag auf Cozumel endete fange ich auch hier damit an. Nach dem IRONMAN in Mexiko war ich hochmotiviert und wollte eigentlich noch beim 70.3 Bahrain starten. Durch eine 10tΓ€gige ErkΓ€ltung musste ich diesen Plan leider ΓΌber Board werfen und begab mich stattdessen in die Saisonpause. Im Anschluss an unsere Team-Weihnachtsfeier im Hotel Mohrenwirt Mitte Dezember startete ich langsam in die Vorbereitung auf die neue Saison.
Das Jahr startete mit einem Sieg beim Rostocker Neujahrslauf ΓΌber 20 km . Das erste Trainingslager plante ich direkt Mitte Januar. Kurz vor meinem Abflug von Berlin stattete ich dem Headquarter von βKYZR Wheelsβ einen Besuch ab und konnte Sie als neuen Laufrad-AusrΓΌster fΓΌr mich gewinnen. Mit dieser guten Neuigkeit im GepΓ€ck ging es anschlieΓend an die portugiesische Algarve β nach allem, was ich bis jetzt gesehen habe, nach wie vor meine Lieblingsdestination fΓΌr ein Wintertrainingslager! Drei produktive Trainingswochen vergingen bei nahezu perfektem Wetter wie im Flug. Um den βSwim-Bike-Run-Rhythmusβ etwas aufzulockern absolvierte ich kurz darauf ein einwΓΆchiges Trainingslager im Sportpark Rabenberg in meiner erzgebirgischen Heimat. Mit Unmengen an Schnee und frostigen Temperaturen waren die Bedingungen ideal fΓΌr tΓ€gliches Training auf den Langlaufski. Daneben bietet der Sportpark alle MΓΆglichkeiten fΓΌr die anderen Disziplinen, so kann man zwei(!) Schwimmhallen, KraftrΓ€ume, Turnhallen etc. tΓ€glich nutzen. Wenig spΓ€ter stieg ich wieder in ein Flugzeug. Mitte Februar ging es mit der Familie fΓΌr zwei Wochen in den Club La Santa auf Lanzarote. Dort konnte ich mich perfekt auf das Training fokussieren und meinen umfangreichen Plan ohne EinschrΓ€nkungen durchziehen. Die Vorbereitung lief nahezu perfekt und keinerlei Verletzungen oder Krankheiten schrΓ€nkten mich im Training ein.
Das FrΓΌhjahr verbrachte ich zum groΓen Teil daheim in Rostock und absolvierte ein paar VorbereitungswettkΓ€mpfe. Beim Haffmarathon in UeckermΓΌnde lief ich die vollen 42,2 km in 2:41 h und eine Woche spΓ€ter beim Rostocker FrΓΌhlingslauf 10 km in 33 min. Beide Rennen konnte ich souverΓ€n gewinnen, die Laufform war auf gutem Weg. Ende April stand das, fast schon traditionelle, Triopening im Mohrenwirt auf dem Programm. Auch wenn wir wettertechnisch etwas strapaziert wurden, war es sicher fΓΌr alle Teilnehmer wieder eine tolle Woche. Einen Tag nach unserer RΓΌckreise fuhr ich spontan am frΓΌhen Morgen nach Lubmin und startete beim Vorpommern Duathlon ΓΌber 10 km Laufen β 60 km Radfahren β 10 km Laufen. Die Beine waren zwar noch etwas schwer, trotzdem konnte ich eine solide Leistung abrufen und auch dieses Rennen gewinnen.
Eine Woche vor meinen ersten βrichtigenβ Wettkampf β dem IRONMAN 70.3 St. PΓΆlten β gab es beim Teamsprint der 2. Bundesliga in GΓΌterloh noch eine kurze hochintensive Einheit. Und zack, schon stand ich in St. PΓΆlten an der Startlinie und es wurde schlieΓlich ernst. Auch wenn des Rennen, wie jedes Jahr, stark besetzt war, wusste ich um meine Form und zielte auf eine Top5-Platzierung.
Nach einer passablen Schwimmleistung sah ich diese jedoch schon fast hinfort schweben. Denn beim Wechsel griff ich erst den falschen Beutel, musste vom Wechselplatz wieder zurΓΌck zum BeutelstΓ€nder laufen und einen neuen Anlauf nehmen, und beim Radaufstieg verhedderten sich meine eingeklickten Schuhe mit der Kette und brachten diese zu Fall. Das kostete natΓΌrlich wertvolle Zeit, dennoch blieb ich ruhig und zog mein Rennen alleine durch. Nach einer ordentlichen Radleistung (2:12 h) auf der anspruchsvollen Strecke, wechselte ich an 9. Position schnell in meine Salming Laufschuhe und lief ebenso schnell los.
Leider hatte ich keinen eigenen Support an der Strecke und erfuhr erst eingangs der zweiten Runde, dass ich mich auf dem 7. Platz befand, nach dem ich in Runde eins Nils Fommhold und Jesper Svensson ΓΌberholen konnte. Ich fΓΌhlte mich gut, gab weiter Gas und konnte schlieΓlich noch zwei weitere Athleten ΓΌberholen, so dass schlieΓlich in die Top5 vorgedrungen war. Die AbstΓ€nde nach vorn schienen noch recht groΓ und ich lief die letzten Kilometer solide zu Ende. Im Ziel war ich super glΓΌcklich, trotz der Missgeschicke beim ersten Wechsel, einen sehr guten Saisoneinstand und eine Top-Laufzeit (1:12:45 h) abgeliefert zu haben. Etwas Γ€rgerlich war im Nachhinein der geringe Abstand auf Platz 4 β gut 20 s, die am Ende sicher noch drin gewesen wΓ€ren.
Knapp zwei Wochen spΓ€ter ging es in den Norden zur CHALLENGE Denmark in Herning. Auch hier war das Starterfeld ziemlich hochkarΓ€tig, vor allem das Gastgeberland war mit all seinen Topathleten ΓΌber diese Distanz sehr prΓ€sent. Mit dem guten Ergebnis aus St. PΓΆlten im RΓΌcken wollte ich das Podium angreifen, liebΓ€ugelte bei einem richtig guten Tag sogar mit dem Sieg. Die nur leicht wellige aber stark windanfΓ€llige Radstrecke und die 20m-Windschattenregel spielten mir schlieΓlich voll in die Karten. Die Bedingungen am Renntag waren, gelinde gesagt, nordisch kΓΌhl. Starker Sturm und regelmΓ€Γige heftige Regenschauer sorgten fΓΌr zusΓ€tzliche Schwierigkeit. Das Schwimmen im Neo war noch angenehm, den Abstand auf Top-Schwimmer Jesper Svensson konnte ich, im Vergleich zu St. PΓΆlten, um ca, 20 s reduzieren. Beim Radfahren musste ich mich dieses mal auf mein GefΓΌhl verlassen, da das SRM gleich zu Beginn den Dienst quittierte. Das klappte ganz gut, auch wenn die Beine nicht die Besten waren. Nach der drittschnellsten Radzeit des Tages (2:05 h) wechselte ich an 8. Position zum Laufen. Entschlossen schlug ich wieder ein hohes Tempo an und sah gleich am ersten Wendepunkt, dass der Abstand auf 1 weniger als 3 Minuten betrug. Nach wenigen Kilometern aber musste ich einsehen, dass sich der βFlowβ beim Laufen, wie noch in St. PΓΆlten, nicht richtig einstellen wollte. Es war ein harter Kampf mit mir selbst und den Bedingungen. Nach der HΓ€lfte der Laufstrecke etwa hatte ich zwei PlΓ€tze gut gemacht und lag auf 6, immerhin schon mal im Preisgeldbereich.
Konstant kam auch auch Platz 5 nΓ€her und ich konnte diesen schlieΓlich 2,5 km vor Ziel ΓΌbernehmen und absichern. Platz 4 war dieses mal weiter weg, der Abstand auf den Sieger betrug aber gerade mal gut 3 Minuten. Insgesamt war es ein sehr enges Ergebnis, was die QualitΓ€t des Starterfeldes widerspiegelt.
NatΓΌrlich bin ich mit dem Resultat nicht 100prozentig zufrieden. Ich habe nicht den besten Tag erwischt, mich aber trotzdem durchgekΓ€mpft und damit wieder eine Top5-Platzierung eingefahren. Das bedeutet zudem die Qualifikation fΓΌr die CHALLENGE Championship in Samorin fΓΌr nΓ€chstes Jahr.
Kommendes Wochenende geht es direkt wieder nach DΓ€nemark, zur IRONMAN 70.3 Europameisterschaft in Elsinore, wo ich natΓΌrlich auch ein WΓΆrtchen um die vorderen Platzierungen mitreden will. Nur eine Woche spΓ€ter werde ich bei einem meiner Lieblingsrennen, dem EBERL Chiemsee Triathlon, einen erneuten Angriff auf das Podium vornehmen. AnschlieΓend startet die Vorbereitung auf den IRONMAN Hamburg am 28. Juli. Nach einigen Γberlegungen, ob ich beim IRONMAN Austria in Klagenfurt oder in Hamburg starte, habe ich mich schlieΓlich wieder fΓΌr Hamburg entschieden. Terminlich passt dieser besser, die Strecke liegt mir und mit gerade einmal zwei Stunden Anreise ist ja fast ein βHeimrennenβ.
“You are an IRONMAN!”
Nach 4 erfolglosen Versuchen war es mein groΓes Ziel beim IRONMAN Cozumel in Mexiko endlich wieder diese 4 Worte im Ziel zu hΓΆren. AuΓerdem wollte ich natΓΌrlich einen mΓΆglichst anstΓ€ndigen Wettkampf zeigen und in den PreisgeldrΓ€ngen (Top10) landen. Mit Platz 6 in 8:27 h habe ich dieses Ziel klar erreicht und bin, nach einem Rennen mit schweren und heiΓen Bedingungen sowie vielen persΓΆnlichen Tiefpunkten, zufrieden, brenne aber gleichzeitig schon darauf es beim nΓ€chsten mal noch besser zu machen!
Meine Vorbereitung fΓΌr den IRONMAN Cozumel verlief wie am SchnΓΌrchen. Nach den PURE-Team-Days in Graz absolvierte ich ein zehntΓ€giges Trainingslager am Balaton in Ungarn. Bei optimalen WetterverhΓ€ltnissen und sehr guten Trainingsbedingungen vor Ort konnte ich meinen Plan zu 100% erfΓΌllen und super Trainingsergebnisse erzielen. Mit einer groΓen Portion Vorfreude und Selbstbewusstsein stieg ich 8 Tage vor dem Rennen in den Flieger nach Mexiko. Die klimatischen VerhΓ€ltnisse auf Cozumel mit Temperaturen um 30 Grad und 80/90% Luftfeuchtigkeit konnte man in Europa logischerweise nicht mehr simulieren. Sie sind vergleichbar mit Hawaii und der Umgang damit sollte die grΓΆΓte Herausforderung werden.
690 km im Auto nach Frankfurt -Β΄12 h Direktflug nach Cancun (+ 3 h VerspΓ€tung) – 45 min im Kleinbus nach Playa del Carmen – 45 min FΓ€hre auf die Insel Cozumel:Β Auf der Hinreise waren wir von TΓΌr zu TΓΌr 29 Stunden unterwegs! Die Sonne, die warmen Temperaturen, die fantastischen Ausblicke auf der Insel sowie die Offenheit und Freundlichkeit der Mexikaner entschΓ€digten direkt am ersten Tag alle Strapazen. Wir kamen im Training gut mit den Bedingungen zurecht und passten uns schnell an. NatΓΌrlich musste man einen hΓΆheren GetrΓ€nkeverbrauch kalkulieren und Laufen ging tagsΓΌber maximal 20 min ohne Wasserversorgung.Β Der Jetlag machte uns ΓΌberhaupt keine Probleme. Wir gingen frΓΌh schlafen und waren morgens zeitig wach – diesen Rhythmus behielten wir bis zum Rennen bei.
Trainieren kann man auf Cozumel hervorragend und ohne groΓen Aufwand. Es gibt nur eine Stadt (San Miguel de Cozumel – knapp 80.000 EW), von der aus eine StraΓe um ca. 2/3 der Insel fΓΌhrt. Eine Runde ist ca 63 km lang. Die restliche FlΓ€che ist zum ΓΌberwiegenden Teil Naturschutzgebiet und nicht bewohnt. Parallel dieser StraΓe gibt es die meiste Zeit eine weitere kleine StraΓe, die fΓΌr sΓ€mtliche motorisierten Fahrzeuge gesperrt und in einem sehr guten Zustand ist. So viel Luxus und Sicherheit hat man als Radfahrer selten. Auch in der Stadt, mit ihrem recht chaotischen Verkehr, haben wir uns als Radfahrer sicherer gefΓΌhlt als auf jeder deutschen LandstraΓe. Die Autofahrer waren durchweg entspannt und rΓΌcksichtsvoll.
Im ΓΆstlichen Teil der Insel ist die StraΓe oft geschΓΌtzt durch BΓ€ume und StrΓ€ucher, im westlichen Teil hingegen weitgehend frei liegend. Ein zum Teil starker Wind ist dauerhafter Begleiter, weshalb im Rennen auch ScheibenrΓ€der verboten sind – eine weitere Parallele zu Hawaii. Je nach Windrichtung und -stΓ€rke kann die Runde also super schnell sein, aber auch extrem anstrengend. Am Wettkampftag kam er aus Norden. Das war deutlich die unangenehmste MΓΆglichkeit und machte das Rennen fΓΌr alle noch etwas hΓ€rter, da man ihn auf dem ungeschΓΌtzten Streckenabschnitt jede Runde, also drei mal, 20 km lang von vorne hat.
Schwimmen kann man – natΓΌrlich – im warmen Wasser des Karibischen Meers. Es gibt zahlreiche ΓΆffentliche StrΓ€nde, und noch mehr private “Beach Parks” und Hotel-eigene StrΓ€nde. AuΓerdem befindet sich in der Stadt eine groΓe Sportanlage mit 400m-Bahn und einem schΓΆnen Sportbecken mit acht 25m-Bahnen. In der Wettkampfwoche war der Eintritt kostenfrei und es war ausreichend Platz zum Trainieren.
Vor unserer Reise wurde uns oft gesagt, wir sollen beim Essen aufpassen, uns den Magen nicht verstimmen oder gar eine Lebensmittelvergiftung holen. Wir hatten allerdings keinerlei Probleme, im Gegenteil. Man kann auf der Insel wirklich gut, frisch und gΓΌnstig essen gehen, dazu gibt es reichlich groΓe SupermΓ€rkte, wo auch jeder EuropΓ€er das finden sollte, wonach er sucht. Den besten Kaffee und hervorragendes hausgemachtes GebΓ€ck gibt es ΓΌbrigens im SucrΓ©/ SalΓ© CafΓ©, das glΓΌcklicherweise nur ein paar Schritte von unserem Hotel entfernt war. Mit der franzΓΆsisch-mexikanischen Inhaberfamilie ist in den paar Tagen direkt eine Freundschaft entstanden und wir wurden sogar am Wettkampfmorgen um kurz nach 4 Uhr mit FrΓΌhstΓΌck versorgt. DafΓΌr nochmal ein herzliches Merci Beaucoup!
Alles in allem hatten wir eine fantastische Woche. Das Training lief super, ich fΓΌhlte mich gut und war voller Vorfreude. Es war schon fast unheimlich, dass mir nichts auΓergewΓΆhnliches passiert ist.
Im Rennen selber lief dann nicht alles nach Plan, aber wann tut es das schon? Doch der Reihe nach…
Geschwommen wurde bei 29 Grad Wassertemperatur nicht im Neopren- sondern im textilen sailfish Rebel Schwimmanzug. Das Wasser war recht aufgewΓΌhlt und wellig, was allerdings keine Probleme bereiten sollte. Ich hatte einen guten Start und fΓΌhlte mich, das erste mal in dieser Saison, wieder richtig wohl im Wasser. Ich konnte gut in der groΓen Schwimmgruppe mithalten und stieg nach 46:47 min an Platz 7 aus dem Wasser. Mit nur 2:50 min RΓΌckstand auf die drei FΓΌhrenden war ich in einer, fΓΌr mich, perfekten Ausgangsposition. Die schnelle Zeit kommt ΓΌbrigens durch eine leichte StrΓΆmung zustande. Die rund 3 min Vorteil, die man dadurch hatte, werden allerdings durch die 2 km zu lange Radstrecke wieder egalisiert.
Auch auf dem Rad habe ich mich zunΓ€chst sehr gut gefΓΌhlt und konnte locker meine anvisierten Watt-Werte treten,Β zwei weitere Athleten aus der Schwimmgruppe gingen das Tempo mit. Nach ca. 15 km kam der spΓ€tere Sieger Michael Weiss vorbei gefahren…
FΓΌr alle die es noch nicht wissen: M. Weiss aus Γsterreich, ehemaliger Profi-Radsportler, wurde in der Vergangenheit zwei mal des Dopings ΓΌberfΓΌhrt und gesperrt. Seit dem Ende seiner zweiten Sperre im Jahr 2013 bestreitet er wieder Triathlon WettkΓ€mpfe auf Profiniveau und verdient damit seine BrΓΆtchen. Soviel zu den Fakten. Meine Meinung dazu?
Punkt!
Weiss fuhr einige Kilometer vorn, bevor ich wiederum fΓΌr einige Kilometer die FΓΌhrung ΓΌbernahm. AnschlieΓend attackierte er. Ich war nicht bereit deutlich ΓΌber 400 W zu investieren um mitzufahren und konzentrierte mich stattdessen auf mein eigenes Rennen. Nach ca. 40 km hatte ich die Spitzengruppe erreicht und fuhr erstmal eine Weile hinterher. Allerdings konnte ich die kraftsparende Variante nicht lange ertragen, schlieΓlich waren wir in einem Rennen. Ich ΓΌberholte die Gruppe, fuhr wieder mein Tempo und konnte mich schnell etwas absetzen. Nach der HΓ€lfte der Radstrecke befand ich mich auf Platz 2 und hatte ca. eine Minute Vorsprung auf die Gruppe –Β es lief weiter nahezu perfekt! Doch dann wurde es hart. Innerhalb der nΓ€chsten 20 km wurde meine hintere Oberschenkel- und GesΓ€Γmuskulatur immer fester und begann zu krampfen. Immer wieder musste ich rausnehmen und die Aeroposition verlassen. Ich wurde deutlich langsamer, konnte so aber immerhin die letzte Runde einigermaΓen anstΓ€ndig zu Ende fahren. Am Ende benΓΆtigte ich 4:27:02 h fΓΌr die 182 km und lag mit Platz 6 noch immer gut im Rennen.
Durschnittlichsleistung: 283W, NP: 293W
Beim Laufen konzentrierte ich mich auf meine Verpflegung und auf ein nicht zu schnelles Anfangstempo. Das klappte die ersten 12 km mit knapp unter 4 min/km auch wunderbar. Dann meldete sich allerdings mein Magen und ich musste mehrmals “austreten”. Alle gereichten GetrΓ€nke waren eisgekΓΌhlt, egal ob Wasser, Cola oder Gatorade. Mein ErnΓ€hrungsplan fΓΌr das Laufen sah einen Mix aus eigenen UltraSport Gels, Gatorade und Wasser vor, das hatte im Training auch immer gut funktioniert, allerdings hatte ich da keine EiswΓΌrfel in den GetrΓ€nken.
Nach der ersten Runde (14 km), bei mittlerweile brΓΌtender Hitze, befand ich mich schon auf Platz 3, nach der zweiten auf Platz 6. Ich konnte immer wieder ein flottes Tempo laufen und fΓΌhlte mich gut aber die Zwangspausen kosteten leider viel Zeit. Ich futterte ein paar halbe Bananen und suchte mir von den Tischen immer die Cola-Becher heraus, in denen sich noch kein Eis befand. SchlieΓlich konnte ich die letzten 12 km ohne weitere Pausen durchlaufen und kam auf den finalen Kilometern wieder nah an Platz 5 heran. Leider reichte es nicht mehr ganz und ich lief schlieΓlich glΓΌcklich ΓΌber meine beste IRONMAN-Platzierung und meinen zweiten gefinishten IRONMAN ΓΌberhaupt als 6. durchs Ziel.
Der Bericht ist etwas lΓ€nger geworden und trotzdem habe ich das GefΓΌhl eine Menge vergessen zu haben. Die EindrΓΌcke lassen sich nur schwer in Worte fassen, ohne es in einem Roman ausufern zu lassen.
Mittlerweile bin ich wieder daheim gelandet und versuche den Temperaturunterschied von 30 Grad zu verarbeiten. Ich bin noch fΓΌr den IRONMAN 70.3 Bahrain in gut zwei Wochen gemeldet. Ob ich tatsΓ€chlich hinfliege und starte werde ich in den kommenden Tagen entscheiden. Lust habe ich und die Beine fΓΌhlen sich auch schon wieder ganz gut an…
AuΓer Frostbeulen…
Kann ich leider nichts zΓ€hlbares aus England mitnehmen. Beim IRONMAN 70.3 Weymouth musste ich mich nach knapp 30 km auf dem Rad vΓΆllig unterkΓΌhlt in medizinische Betreuung geben. Mit einer KΓΆrpertemperatur von lediglich 34 Grad war kein Weiterkommen mΓΆglich.
Dabei war ich guter Dinge ein weiteres Top-Resultat einzufahren. Nach dem Wettkampf auf RΓΌgen ging die Erholung schnell und das anschlieΓende Training lief perfekt. Ich konnte noch eine kleine Schippe auf die Form drauf packen.
Bereits der Samstag vor dem Rennen war total verregnet, kΓΌhl und stΓΌrmisch. Die Vorhersage fΓΌr Sonntag(Vormittag) sah leider auch nicht besser aus, im Gegenteil. Ich packte mir eine ziemlich warme Radweste und Armlinge in den Wechselbeutel und sah mich eigentlich gut gerΓΌstet fΓΌr die widrigen Bedingungen.
Aufgrund der stΓΌrmischen See wurde das Schwimmen verkΓΌrzt, auf offizielle 950 m die sich allerdings als ca. 1200 m heraus stellten. Die Auftaktdisziplin im 16-17 Grad warmen Γrmelkanal war noch der angenehmste Teil und die VerkΓΌrzung meines Erachtens nicht notwendig. Mit 2 min RΓΌckstand auf die Spitze stieg ich an Platz 9 aus dem Wasser.
PΓΌnktlich zum Radfahren begann es sinnflutartig zu regnen und die Temperatur sank auf unter 10 Grad! Ich konnte meine geplanten Wattwerte aufs Pedal bringen und fΓΌhlte mich noch gut. Schnell hatte ich mich drei PlΓ€tze vor gearbeitet. Trotz Weste und Armlingen begann ich jedoch zu frieren. Durch die wieder kehrenden kurzen Abfahrten und lΓ€ngere FlachstΓΌcke verschlimmerte es sich immer weiter. Meine Finger wurden taub und ich hatte zunehmend Probleme mein Rad zu kontrollieren, die Kraft reichte kaum noch fΓΌr die KnΓΆpfe der elektronischen Schaltung.
An der ersten Verpflegungsstelle stieg ich aus, viele weitere Athleten und Athletinnen folgten. Von allen gestarteten Profis erreichte ein Drittel das Ziel…
Vielen Dank an die vielen freiwilligen Helfer und den Arzt, die sich in der schwierigen Situation super um uns alle gekΓΌmmert haben! Ab ca. 10 Uhr lieΓ der Regen ΓΌbrigens nach und der Himmel klarte auf… Ich hoffe nun im Nachhinein erkΓ€ltungsfrei zu bleiben, damit ich den Start beim IRONMAN Barcelona realisieren kann.
Der undankbare 4. Platz…
… beim IRONMAN 70.3 RΓΌgen macht mich durchaus glΓΌcklich. Mein hochgestecktes Ziel “Podium” habe ich damit zwar knapp verfehlt, aber drei Athleten waren an dem Tag einfach stΓ€rker. Bei der hochkarΓ€tigen Besetzung brauche ich mich damit sicher nicht schΓ€men.
Im Vorfeld des Wettkampfes verlief alles reibungslos, was ich schon erwΓ€hnenswert finde. Durch unsere kurze Anreise (120 km) waren die letzten Tage sehr entspannt. Auch in Binz kam kein klassischer “Vor-Wettkampf-Stress” sondern eher Urlaubsfeeling auf. Alles war ΓΌbersichtlich, gut organisiert und das Wetter spielte ebenso mit. Am frΓΌhen Samstag Morgen fuhr ich die Radrunde einmal ab, was die Vorfreude auf das Rennen nochmals steigerte, denn die Strecke macht so richtig Spass – zumindest ohne Autoverkehr.
Ausgeruht und motiviert ging es schlieΓlich am Sonntag an den Start. Die Ostsee zeigte sich spiegelglatt, kaum eine Wolke am Himmel, die Bedingungen waren perfekt. Mein Schwimmen war es wieder einmal nicht. Meine Leistung war zwar etwas besser, als in den letzten beiden Rennen, da die Schwimmstrecke aber ΓΌber 300 m zu viel hatte, war mein RΓΌckstand nicht wirklich geringer. Γber 3 min waren es schlieΓlich auf den Spitzenschwimmer Florian Angert und ca. 2:30 min auf dessen Verfolger um Hawaii-Sieger Patrick Lange. Nach dem Schwimmausstieg galt es noch ca. 1 km quer durch Binz zu Laufen, bis wir endlich auf das Rad steigen konnten.
Die erste Radrunde fΓΌhlte sich noch etwas zΓ€h und unrhythmisch an, die Wattwerte lagen aber im geplanten Bereich. Zwei Athleten aus meiner Schwimmgruppe bissen sich fest und konnten das Tempo mitgehen, einer davon war mir bereits aus Gdynia bekannt. Eine Hilfe das Tempo gleichmΓ€Γig hoch zu halten waren leider beide nicht. Nach der ersten Runde sah ich, dass Florian an der Spitze ein einsames Rennen fuhr und wohl an diesem Tag nicht zu schlagen war. Ich hatte schon ein paar PlΓ€tze gut gemacht und den Abstand auf die nΓ€chsten Verfolger verkΓΌrzt. Die zweite HΓ€lfte ging dann richtig gut, ich konnte das Tempo noch steigern und bog schlieΓlich an Position 4 liegend wieder in die Wechselzone ein.
Wieder fΓΌr alle “Zahlen-Interessierten”: 89,3 km, 407 hm, 2:02 h, 44,0 km/h, 333 W Average, 341 W NP, zweitschnellste Radzeit des Tages!
Nach einem schnellen Wechsel (ohne Socken – der Salming Race 6 lΓ€uft sich einfach perfekt!) ging ich kurz vor Franz LΓΆschke auf die Laufstrecke. Mit dem frΓΌheren erfolgreichen Weltcup-Starter und IRONMAN-70.3-Sieger im Nacken, machte ich mich auf ein hartes Laufduell gefasst. Ich lief kontrolliert los, wohl wissend, dass der Laufkurs mit vier ca. 500 m langen und bis zu 11 % steilen Anstiegen sowie einigen weiteren Schwierigkeiten mir noch einiges abverlangen wird.
Florian Angert zeigte auch im Laufen eine beeindruckende Leistung und lieΓ nichts mehr anbrennen. Dahinter lieferte sich Horst Reichel mit Patrick Lange ein Duell und ich konnte, zu meiner Γberraschung, den Vorsprung auf Franz langsam ausbauen. Ich gab alles, kam dem Podium aber nicht mehr nΓ€her und lief dennoch glΓΌcklich als 4. ΓΌber die Ziellinie. Mit 1:17:15 h auf dieser korrekt vermessenen und schweren Halbmarathon-Strecke kann ich zufrieden sein, zumal meine Statur ja nicht gerade “Berg-tauglich” ist. π
Ein groΓes DANKE geht an dieser Stelle an die unzΓ€hligen bekannten und unbekannten Zuschauer in Binz! Die Stimmung war wirklich groΓartig und ich habe mich echt gefreut so viele Freunde in- und auΓerhalb des Wettkampfes getroffen zu haben!
Schon vor dem Rennen in RΓΌgen hatte ich mich entschieden in knapp zwei Wochen beim IRONMAN 70.3 Weymouth an den Start zu gehen. Nach meiner Verletzungspause fΓΌhle ich mich fit und habe Lust auf WettkΓ€mpfe. Ein wenig schiele ich dabei natΓΌrlich auch auf die Qualifikation fΓΌr die IRONMAN-70.3-WM, die nΓ€chstes Jahr in Nizza stattfinden wird. Beim IRONMAN Barcelona mΓΆchte ich schlieΓlich zeigen, dass ich auch eine Langdistanz wieder ins Ziel bringen kann.
Der Langdistanz-Fluch
Es will einfach (noch) nicht klappen. Aber immerhin bin ich dieses mal schon wieder ein ganzes StΓΌck weiter gekommen. Beim IRONMAN Kopenhagen musste ich nach 23 km auf der Laufstrecke aussteigen…
Dabei fΓΌhlte ich mich super vorbereitet und auf den Punkt fit. Meine Leistung in Gdynia hatte das bestΓ€tigt und mir krΓ€ftig RΓΌckenwind fΓΌr die vergangen zwei Wochen bis Kopenhagen gegeben. Ein geklautes Auto bedeutet zwar jede Menge Stress und Rennerei, wir konnten die Reise nach DΓ€nemark aber rechtzeitig organisieren und mein Training wurde dadurch kaum beeinflusst. In der Wettkampf-Vorwoche lief dann jede Einheit wie von allein. NatΓΌrlich fehlten mir durch meine Verletzung noch ein paar lange, spezifische LΓ€ufe. FΓΌr einen soliden Marathon in knapp unter 3 Stunden sollte es aber auf jeden Fall reichen…
Bis zum Samstag vor dem Rennen verlief dieses mal alles nach Plan, das war schon fast unheimlich. Am nΓ€chsten Morgen schlieΓlich passierte dann doch noch was: Verschlafen! Das erste Mal in meinem Leben vor einem Wettkampf. Beide Wecker wurden von allen Mitbewohnern unserer kleinen “Wohnwagen-WG” offensichtlich ΓΌberhΓΆrt. Als ich im Halbschlaf das erste Mal auf die Uhr schaute, war es kurz vor 5 Uhr. Nur noch zwei Stunden bis zum Start… Das brachte die Vor-Wettkampf-Routine natΓΌrlich ordentlich durcheinander. Normalerweise frΓΌhstΓΌcke ich drei Stunden vor dem Start und erledige dann in aller Ruhe alle wichtigen Vorbereitungen. Wir versuchten dennoch cool zu bleiben, uns nicht stressen zu lassen und schafften es schlieΓlich noch pΓΌnktlich zum Einschwimmen.
Stichwort Schwimmen: Knapp 52 min waren ganz und gar nicht zufriedenstellend fΓΌr mich. Die Zeiten im Becken wΓ€hrend der letzten Einheiten versprachen Γ€hnliche Schwimmleistungen, wie im letzten Jahr, womit ich eine Gruppe weiter vorn gelandet wΓ€re. Aber ich haderte nicht lang damit, meine beiden starken Disziplinen lagen jetzt vor mir und ein IRONMAN ist lang.
Die ersten 10 km der Radstrecke in Kopenhagen fΓΌhren durch die Stadt und erfordern durch viele Abzweigungen, scharfe Kurven und teilweise enge Radwege hohe Konzentration. Ich fuhr in meiner Schwimmgruppe mit und setzte mich nach ca. 20 min, als es wieder mehr Platz zum Γberholen gab, an die Spitze. Nach dem ersten HΓΌgel hatte ich eine groΓe LΓΌcke gerissen. Die nΓ€chsten 4 Stunden auf dem Rad war ich komplett auf mich allein gestellt. Ich konzentrierte mich auf meine Leistung, meine Verpflegung und darauf unfallfrei ΓΌber den ziemlich anspruchsvollen Kurs zu kommen.
Das klappte alles hervorragend. Als 22. zum Radfahren gestartet, bog ich nach 4:17:59 h auf Platz 8 in die zweite Wechselzone ein. Mein SRM PC8 zeigte am Ende 179,2 km (1012 hm) die ich mit 303 W (309 W NP) und 41,7 km/h absolvierte. Im Gegensatz zu Hamburg fuhr ich sehr konstant, ohne am Ende langsamer zu werden.
Entsprechend motiviert ging ich kurz hinter Boris Stein und Teamkollege Markus Fachbach auf die Laufstrecke. Die Beine fΓΌhlten sich super an und ich musste mich auf den ersten Kilometern bremsen um nicht direkt in meinem Mitteldistanz-Tempo los zu rennen. Nach 7 km dann plΓΆtzlich der erste SchwΓ€cheanfall. Die Beine sackten gefΓΌhlt zusammen und ich musste ein paar Schritte gehen. Ich joggte zur nΓ€chsten Verpflegungstelle und nahm auf, was ging. Das tat ich weiterhin an jeder Verpflegung und konnte bis km 15 gut durchlaufen. Mittlerweile befand ich mich auf dem 6. Platz. Jetzt ging es jedoch wieder stark bergab. Von der aufgenommenen Energie kam nichts im KΓΆrper an. Nach einer Erleichterung auf dem Dixi versuchte ich erneut ein anstΓ€ndiges Tempo aufzunehmen. Doch es ging nicht, mir wurde immer wieder schwindelig und mir war kalt. Nach 23 km zog ich die ReiΓleine.
In knapp drei Wochen steht mit dem IRONMAN 70.3 RΓΌgen der nΓ€chste wichtige Wettkampf an. DafΓΌr wollte ich meine Gesundheit jetzt nicht aufs Spiel setzen und habe, denke ich, eine vernΓΌnftige Entscheidung getroffen. Ich gebe auf jeden Fall nicht auf! Ich werde im Schwimmen nochmal ackern, die fehlenden Laufkilometer aufholen und dann beim IRONMAN Barcelona einen erneuten Angriff starten!
Achterbahnfahrt
Den Γrger ΓΌber den IRONMAN Hamburg hatte ich schnell verdaut und mich auf den IRONMAN 70.3 Gdynia in Polen fokussiert. Wie in den letzten beiden Jahren, hatte ich in Gdynia eine Ferienwohnung gebucht. Zusammen mit meinem Schwager, kam ich am Donnerstagabend nach einer problemlosen Anreise dort an.Β Am Freitag bin ich noch einmal den GroΓteil der Radstrecke abgefahren und habe eine kurze Schwimmeinheit absolviert. Ich fΓΌhlte mich gut und bereit fΓΌr das Rennen.
Am Samstag-Morgen wollte ich zu meiner ΓΌblichen Vorbelastung auf dem Rad aufbrechen und dazu mit unserem VW-Bus ein StΓΌck aus der Stadt heraus auf die Radstrecke fahren. Leider kam es dazu nicht, da kein Bus mehr auf dem Parkplatz stand. Schnell war uns klar, dass er nur gestohlen sein konnte. Wir hatten ihn am Abend vorher mit 100prozentiger Sicherheit dort, verschlossen, mit scharfer Alarmanlage und definitiv nicht im Parkverbot, abgestellt.
Die folgenden vier Stunden verbrachte ich mit und bei der Polizei um die Anzeige aufzugeben und alle notwendigen Angaben zu machen. Gerade rechtzeitig schaffte ich es zur verpflichtenden Wettkampfbesprechung der Profis. Nach anschlieΓendem Check-in des Rades sowie einem 7 km langen “Aktivierungslauf”, war ich froh dass der Tag rum war und ich versuchte mich bestmΓΆglich auf den Wettkampf zu konzentrieren. Normalerweise schlafe ich in den NΓ€chten vor einem Wettkampf immer gut. Durch die innere Aufregung kamen dieses mal hΓΆchstens 3 Stunden zusammen.
Optimal vorbereitet also, stand ich am Sonntag-Morgen an der Startlinie. Das Schwimmen lief nicht besonders gut, mir fehlte etwas der Wille die Komfortzone zu verlassen. Auch der erste Wechsel war bescheiden. Ich verlor mein Visier und musste einen kleinen Defekt am Radschuh-Verschluss beheben, bevor der Wettkampf fΓΌr mich endlich richtig los ging. Ich kam gut voran, auch wenn sich die Beine noch nicht wieder ganz frisch anfΓΌhlten und ich etwas unter meinen anvisierten Wattwerten bleiben musste. Nach ca. 30 km konnte ich die groΓe Verfolgergruppe ein- und direkt ΓΌberholen, Nils Frommhold und Timothy O’Donnell waren ein StΓΌck voraus. Zwei Athleten folgten mir im fairen Abstand, waren allerdings keine Hilfe um das Tempo hochzuhalten.
Nach 2:09 h fΓΌr 90,2 km und 334 W NP stellte ich mein Rad wieder in der Wechselzone ab. Das Laufen ging gut, ich konnte meine Verfolger schnell distanzieren und kam Nils auf Platz 2 immer nΓ€her. In der zweiten Runde wurden wir durch ein kurzes Unwetter mit Sturm und sinnflutartigen RegenfΓ€llen etwas ausgebremst, teilweise musste man durch knΓΆcheltiefes Wasser laufen. Meine BefΓΌrchtung, dadurch Blasen zu bekommen weil ich ohne Socken unterwegs war, bestΓ€tigte sich nicht. Die Salming Race 6 Schuhe passen perfekt, egal ob trocken oder nass!
An den Wendepunkten sah ich, wie mein RΓΌckstand immer kleiner wurde. Ich gab alles, konnte die LΓΌcke aber nicht mehr rechtzeitig schlieΓen, so dass ich nach 3:53:28 h, exakt 30 sec nach Nils im Ziel war. Ich freute mich riesig ΓΌber den erneuten Platz auf dem Podium und meine Halbmarathonzeit von 1:14 h, die ich nach nur 6 Wochen Lauftraining noch nicht wieder fΓΌr mΓΆglich gehalten hatte. DieΒ individuell angepassten Einlagen von Fredmax haben mich dabei unterstΓΌtzt schnell wieder schmerzfrei zu werden.

Meine Gesamtzeit war auf der identischen Strecke genau 30 sec schneller als im letzten Jahr, bei nicht ganz so einfachen Bedingungen. Der Weg geht also in die richtige Richtung und ich hoffe beim IRONMAN Kopenhagen in zwei Wochen das auch endlich auf der Langdistanz zeigen zu kΓΆnnen! Und falls uns jemand kurzfristig ein familientaugliches KfZ mit AnhΓ€ngekupplung zur VerfΓΌgung stellen mΓΆchte, der darf sich gerne bei mir melden! π

Es gibt fΓΌr alles ein erstes Mal…
In diesem Fall war es die erste Disqualifikation in meinem Triathlon-Leben. Doch der Reihe nach…
Aufgrund der hohen Blaualgen-Konzentration und der schlechten WasserqualitΓ€t der Alster wurde der IRONMAN Hamburg als Duathlon ΓΌber 6 km Laufen, 178 km Radfahren und 42 km Laufen ausgetragen. Auch, wenn ich viel lieber geschwommen und einen “richtigen” IRONMAN absolviert hΓ€tte, musste ich mich, wie alle anderen, auf die neue Herausforderung einstellen.
Mein Plan war ein offensives und mutiges Rennen zu zeigen. Zusammen mit Michael Raelert setzte ich mich direkt an die Spitze des Feldes und drΓΌckte aufs Tempo. Die knapp 3:20 min/km fΓΌhlten sich ΓΌberraschend gut und locker an. Zusammen mit ca. 15 anderen Athleten, inklusive allen Top-Favoriten, erreichte ich nach 19:48 min fΓΌr 6 km die Wechselzone.
Die ersten 10 km durch Hamburg waren mit vielen Kurven, SchlaglΓΆchern und einer Kopfsteinpflasterpassage etwas knifflig zu fahren. Am Elbdeich angekommen, rollte es dann richtig gut. Ich arbeitete mich an die Spitze des Feldes. Mein SRM zeigte Wattwerte an, die ich mir eher fΓΌr die Mitteldistanz vorgestellt habe. Ich hoffte, dadurch einige Verfolger abschΓΌtteln zu kΓΆnnen, was aufgrund der groΓen Anzahl und hohen Dichte der Gruppe nicht wirklich erfolgreich war. Ich absolvierte die erste Runde mit einem Schnitt von 340 Watt und 45 km/h, wohl wissend, dass ich mich damit in einem Ritt auf der Rasierklinge befand.

Nachdem Micha Raelert im Stadtbereich die FΓΌhrung ΓΌbernommen hatte, setzte ich mich, zurΓΌck am Elbdeich, wieder an die FΓΌhrungsposition. Nach ca. 130 km zeigte mein hohes Tempo schlieΓlich Wirkung und die Gruppe riss etwas auseinander. Mit Bart Arnouts, James Cunnuma, Tim Don und Joe Skipper waren wir nur noch zu fΓΌnft. Bei etwa 150 km attackierten Bart und James, Tim und Joe folgten, ich musste mein eigenes Rennen zu Ende fahren. Wahrscheinlich hΓ€tte ich im “semi-legalen” Abstand folgen kΓΆnnen, jedoch kam das fΓΌr mich nicht infrage!

An Rang 5 liegend erreichte ich wieder die Stadt. Motiviert von diesem unglaublichen Radsplit stellte ich mich mental schon auf den Marathon ein. PlΓΆtzlich ein Pfiff und eine rote Karte vom Kampfrichter, mitten im Tunnel. Ich hatte kurz zuvor in einer engen Passage zwei nebeneinander fahrende Altersklassenathleten ΓΌberrundet und musste dazu kurz ΓΌber die Mittellinie fahren. Dabei kam kein Gegenverkehr und ich habe niemanden gefΓ€hrdet oder behindert. Das Γberfahren der Mittellinie war zwar tatsΓ€chlich verboten, uns wurde beim Briefing aber extra gesagt, dass es in solchen Situationen, um niemanden zu gefΓ€hrden, geduldet wird.
NatΓΌrlich war das der mentale Genickschuss fΓΌr meinen Wettkampf. Ich hΓ€tte bis zum Ende durchziehen und die Entscheidung danach anfechten kΓΆnnen. Aber einen Marathon zu laufen fΓΌr ein Ergebnis, was, mit allergrΓΆΓter Wahrscheinlichkeit, schlussendlich eh nicht zΓ€hlen wΓΌrde, wΓ€re weder klug noch sinnvoll gewesen. Ich joggte schlieΓlich noch eine Runde ΓΌber die Strecke und beendete danach mein Rennen.
Also geht der Blick nun nach vorn auf den IRONMAN 70.3 Gdynia am kommenden Sonntag und den IRONMAN Kopenhagen in knapp drei Wochen. An beide WettkΓ€mpfe habe ich gute Erinnerungen. Aus Hamburg mitnehmen kann ich die Gewissheit ΓΌber meine gute Radform: 4:03 h, 44 km/h und 310 Watt (317 NP) fΓΌr 178 km! Nur die Krafteinteilung sollte ich in Kopenhagen noch etwas besser gestalten. π
P.S.: FΓΌr alle Interessierten verΓΆffentliche ich meine Trainings- und Wettkampfleistungen auf STRAVA.




















