Drama mit Happy End am Nordhäuser Theater!

YES ICAN … noch gewinnen! Endlich hat es mal wieder geklappt und ich konnte gestern den ICAN Germany in Nordhausen gewinnen.

Doch wieder lief nicht alles rund, wieder hatte ich Pech und lange Zeit schien der obere Platz auf dem Podium noch unmöglich. Aber Kampfgeist und Leidensfähigkeit haben sich dieses mal so richtig bezahlt gemacht! Im Link gibt es den offiziellen Rennbericht.

Und hier meine Sicht:

Pünktlich ging es um 8 Uhr bei 8°C Luft- und 18°C Wassertemperatur im glasklaren Sundhäuser See etwas außerhalb von Nordhausen los. Auf den zwei Schwimmrunden über die Gesamtdistanz von 1,9km habe ich mich zwar nicht sonderlich gut gefühlt und hatte kaum Wassergefühl, trotzdem war ich recht zügig unterwegs und konnte den Rückstand auf die Spitze mit reichlich einer Minute im machbaren Bereich. Mit einem zügigen Wechsel machte ich sofort zwei Plätze gut und ging als fünfter auf die Radstrecke.

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Dort lief es gleich rund und ich startete mit monströsen Wattwerten meine Jagd auf das Spitzenduo Henry Beck und Vorjahressieger Georg Potrebitsch. Schnell war ich auf Platz 3 vorgefahren und kam näher.

Doch nach einer Passage mit ein paar heftigen Bodenwellen war meine elektronische Schaltung tot. Meine Vermutung, dass sich der Akku nach einem heftigen Schlag aus der Halterung, welche im Rahmen im Tretlagerbereich verschraubt ist, gelöst hat, sollte sich später bestätigen.

Mein Fluchen war zu diesem Zeitpunkt sicher am Brocken noch zu hören, doch nach einer kurzen depressiven Phase entschied ich mich nicht aufzugeben sondern die verbleibenden knapp 30km bis zur ersten Verpflegungsstelle, wo es Werkzeug geben sollte, durchzuhalten. Ein Woche zuvor war ich mit Peter Seidel die Strecke abgefahren und wusste daher zum Glück, dass auf diesem Weg noch nicht die ganz großen Anstiege im Weg standen. Es sollte also mit dem relativ schweren Gang, der mir nur noch zur Verfügung stand, fahrbar sein.

Trotz weiteren Fluchattacken, wenn ich in schnellen Rückenwindpassagen trotz einer 120er Trittfrequenz nicht weit über 45kmh hinaus kam oder ich mich an den kurzen Anstiegen fühlte wie in der Beinpresse im Fitnesscenter, kam ich einigermaßen gut bis km 30. Dort warteten 3km Anstieg mit Gegenwind an dessen Ende sich erst der Verpflegungspunkt befand, eine weitere absolute Willensprüfung. Mit einer Frequenz von nur 40-50 U/min und 400-450 Watt wuchtete ich meine Maschine mit brennenden Beinen hinauf. Zum Glück habe ich einen tollen Coach, der mich auch diese Dinge immer fleißig üben lässt, sonst wäre ich hier wohl völlig eingegangen.

Oben angekommen waren die Helfer eher auf Reifenpannen eingestellt, doch nach kurzer Wartezeit fand sich auch ein Imbus-Set. Jetzt musste ich einen Flaschenhalter abschrauben um die Halterung abschrauben zu können. Zu allem Überfluss steckte der Akku auch noch im Tretlager fest und es dauerte wieder eine gefühlte Ewigkeit bis ich diesen herausgefummelt bekam. (einer dieser Momente wo man innerlich extrem kocht… ) Immerhin klappte es dann irgendwann doch, und ich konnte nach einer Standzeit von etwa 5 min (wie ich es heute in der Garmin Auswertung sehen konnte) meine angestaute Wut endlich wieder in Vortrieb umwandeln!

Ein besonderer Dank geht an die tollen Helfer, bei windigen 12°C haben sie sofort mitgedacht, mir eine Decke umgelegt und sich sehr gut (auch um alle anderen vorbeifahrenden Athleten) gekümmert. Mit vollem Einsatz dabei, großer Respekt! Zu meinem Problem: Ich hatte den Akku am Tag vorher noch einmal zum Laden draußen, beim wieder Einsetzen habe ich ihn vielleicht nicht fest genug in die Halterung gedrückt. (bzw. vielleicht nicht fest genug für Bodenwellen im vollen Tempo) Ich hatte bis dato noch nicht ein einziges Problem mit der elektronischen Schaltung und ich hoffe es bleibt jetzt bei diesem einen!

Mittlerweile war ich auf Platz 5 zurück gefallen und mein Rückstand auf die Spitze betrug fast 7 min, nach am Ende insgesamt knapp 90km und 980hm waren in Nordhausen beim zweiten Wechsel nur noch etwas mehr als drei 3min übrig. Ich denke, das sagt einiges! 😉

Zu meiner Überraschung mussten die beiden Führenden in der Strafbox am Beginn des Laufparts eine 4minütige Zeitstrafe wegen unerlaubten Windschattenfahrens absitzen . Nach Stimmen von Zuschauern und anderen Athleten keineswegs zu unrecht, ich selber habe sie kaum gesehen und kann es nicht beurteilen.

Als ich dann nach einem Blitzwechsel als Führender mit gut 30sec Vorsprung auf die Laufstrecke ging, dachte ich nur, “es gibt wohl doch noch Gerechtigkeit auf der Welt” und nahm die Beine in die Hand. Gewonnen war hier noch lange nix, denn die Laufstrecke sollte der schwierigste Halbmarathon werden, den ich bisher gelaufen bin. Flach war es so gut wie nie, dafür gab es heftige Anstiege, Kopfsteinpflaster, rasante Bergabpassagen und Cross-Abschnitte im Grünen, alles verteilt auf einer vier mal zu laufenden Runde. Immerhin wurde es so nie langweilig.

Erst recht nicht, mit der Konkurrenz, die mir im Nacken saß. Ich schlug ein schnelles Tempo an, Potrebitsch nach seiner Zwangspause aber ein noch schnelleres, so dass er nach bereits drei km fast auf mich aufgelaufen war. Ich hielt meine Pace konstant hoch und er konnte nie ganz zu mir aufschließen. Nach der ersten Runde waren wir nur ein paar Sekunden getrennt. Ich wurde keinen Deut langsamer und konnte so den Vorsprung in der zweiten und dritten Runde wieder auf etwas mehr als 30sec ausbauen und diesen bis ins Ziel halten. Auch meine Zeiten waren wahnsinnig konstant mit je knapp 20min auf jeder der schweren Runden

Georg lies allerdings bis zum bitteren Ende nicht locker und so konnte ich erst auf den letzten hundert Metern mir wirklich sicher sein, es etwas austrudeln lassen und die tolle Stimmung und das geile Flair vor dem Theater genießen! Ein unbeschreibliches Gefühl nach so einem Rennverlauf!!!

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Danke an Ulli, Sunil, die gesamte Organisation mitsamt Helfer, die Stadt Nordhausen und allen Menschen, die da waren für die tolle Unterstützung und ein fantastisch organisiertes Rennen!

Und Danke vor allem an die Menschen die mich auf meinem Weg unterstützen und mir immer den Rücken stärken, allen voran Physio-und-Betreuer-zu-jeder-Tages-und-Nachtzeit-sowie-bester-Freund-und-Mutti-für-alles ENRICO, Coach BEN, ohne dessen intelligente Trainingspläne ich nie so über die Rad- und Laufstrecke gekommen wäre und natürlich meiner FAMILIE, wo ein Teil direkt an der Strecke und der Rest daheim an Telefon und Bildschirm immer mitfiebert! 🙂

Jetzt geht’s mit neuem Schwung weiter durch die zweite Saisonhälfte mit:

Zwickauer Triathlon am 7. September

IRONMAN 70.3 Rügen am 14. September

 
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