Langsam aufwärts…

Ging es gestern beim top besetzten Chiemsee Triathlon zumindest bei der Platzierung. Nach einem sehr harten und zähen Rennen steht am Ende ein guter 7. Platz zu Buche, und das ohne besondere Vorkommnisse! 😉

Nach dem IRONMAN 70.3 Aarhus waren nur sechs Tage Zeit mich zu regenerieren und auf Chiemsee vorzubereiten. Zwei 4h-Rennen innerhalb einer Woche sind natürlich heftig. Das kann sehr gut funktionieren, muss aber nicht. Ich wollte aber auf keinen der beiden Wettkämpfe verzichten und vor allem nach dem Malheur in Dänemark endlich mal wieder ein “normales” Rennen ins Ziel bringen.

Am Freitag reiste ich mit meinem, mittlerweile ebenso triathlonverrückten, Dad, der sich für seine erste olympische Distanz gemeldet hatte, ins schöne Chiemgau. Wie der Sohn, so der Vater! Ohne den entsprechenden Rückhalt, der Unterstützung und Begeisterung der Familie wäre das alles nicht möglich bzw. viel, viel schwerer. Daher bin ich natürlich unheimlich froh und dankbar diesen Rückhalt zu haben und meine Leidenschaft mittlerweile sogar familienintern teilen zu können! Mama ist auch bald am Start! Das Virus greift um sich! 😉

In den Tagen bis zum Rennen war ich insgesamt drei mal schwimmen, drei mal Radfahren und einmal kurze 5km laufen um zu testen ob der in Aarhus verletzte Zeh wieder belastbar ist. Er war es, keine Brüche, keine Schmerzen, keine Ausreden!

Nach zwei sonnigen und erholsamen Tagen am Chiemsee fiel am Sonntag 9 Uhr der Startschuss für die Mitteldistanz. Alle Vorbereitungen konnten noch ohne Regen absolviert werden, die Vorhersage für den weiteren Tag verhieß jedoch nichts gutes.

Beim Schwimmstart wurde ich ganz schön durch die Mangel genommen. Ein paar Mann schwammen über mich hinweg und ich befand mich gleich am Ende der noch großen Gruppe, die sich jedoch schnell in eine Spitzen- und Verfolgergruppe, aufteile. Da war es mir allerdings deutlich zu langsam, also einmal links raus und mit einer Tempoverschärfung vorbei. Folgen konnte mir nur der Österreicher Franz Höfer, der nicht unbedingt als schlechter Schwimmer bekannt ist. Jetzt sah ich die Spitzengruppe etwa 40- 50m vor mir und versuchte nochmal das Tempo zu erhöhen um da vielleicht sogar noch heran zu kommen. Das war leider relativ aussichtslos, aber immerhin wurde der Abstand nicht größer. Nach ca. 1200m übernahm Franz bis zum Ausstieg die Führung und hielt das Tempo hoch. Feine und faire Aktion!

Als ich dann nach dem Wechsel von nur 30 sec Rückstand auf die erste Gruppe hörte war ich natürlich entsprechend motiviert da heranzufahren. Doch da wollten die Beine dieses mal nicht so richtig mitziehen und es ging ungewohnt schwer. Immer wenn ich mein Brothers auf “richtig” Geschwindigkeit bringen wollte, schrien die Beine so etwas wie “mach langsamer, sonst hören wir hier auf!” Vor allem die kurzen giftigen Anstiege, die ich in meiner Gewichtsklasse schon mit weit jenseits der 400 Watt nehmen muss (und normal auch relativ leicht nehmen kann) haben so richtig gebrannt. Die Beine waren nach dem 70.3 eine Woche zuvor einfach noch nicht wieder komplett hergestellt. Trotz, dass mir etwa 20-30 Watt zu meiner möglichen Wettkampfleistung gefehlt haben, arbeitete ich mich auf den 82km mit der drittbesten Radzeit auf Platz 4 vor. Ach so: vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass es beim Radpart extrem anfing zu regnen und zu stürmen. Ein Wetter, das der schöne Chiemsee Triathlon definitiv nicht verdient hatte, mich persönlich an diesem Tag aber nicht weiter störte und nur dafür sorgte, dass ich die Kurven langsam und vorsichtig nahm.

3:45 min Rückstand waren es auf den Führenden als ich in meine neuen SKECHERS GoRun Speed schlüpfte. Ich konnte den Schuh am Vortag nur kurz testen, entschied mich aber aufgrund der tollen Passform dafür, ihn gleich am nächsten Tag dem 21km-Extremtest zu unterziehen. Die erste von vier Runden der hügeligen und teilweise sehr matschigen Laufstrecken lief noch ziemlich gut, doch auch hier machten sich die schweren Beine, vor allem, in den vielen kleinen Anstiegen bemerkbar. Ich konnte meine Pace mit großem Kampf immerhin noch konstant bei 3:50-55min/km halten, und auch wenn sich die SKECHERS phänomenal am Fuß anfühlen, konnten sie leider keine Wunder vollbringen. So musste ich in der zweiten Runde den Australier Chris Wiggel in einem Höllentempo vorbei ziehen lassen, später dann meinen Kumpel Andrej aus Kroatien, der mit einem gigantischen Lauf noch aufs Podium kam und Michael Rünz, der mit der dritten Laufzeit brillierte.

Das Rennen schien 2km vor Schluss dann gelaufen. Doch durch mein konstantes Tempo ohne großen Einbruch, sah ich plötzlich wieder Chris vor mir. Auch wenn meine Akkuanzeige schon rot blinkte, ein klein wenig Strom hatte ich noch, lief relativ schnell auf ihn auf und blieb erstmal ca. 10m dahinter. 20km waren da bereits absolviert, noch knapp ein Kilometer bis zur Erlösung. Doch anstatt noch etwas hinter ihm zu verschnaufen und die Situation, dass er meine Verfolgung noch nicht bemerkte, auszunutzen, war ich wieder zu blöd, zog gleich das Tempo an und ging erstmal vorbei. Chris, der ausreichend Kurzdistanz-Erfahrung mitbringt, blieb jetzt kurz in meinen Schatten und attackierte wenig später selber. Jetzt hatte ich absolut nichts mehr zuzusetzen und war geschlagen. Sechster Platz und Preisgeld verloren, Dummheit muss eben bestraft werden!

Und trotzdem habe ich etwas gewonnen: Erfahrung und das Wissen, dass auch für mich Rennen noch ohne bösartige Zwischenfälle enden können. Außerdem endlich einen Wettkampfschuh in dem ich absolut null Probleme mit Blasen oder Druckstellen habe! SKECHERS macht’s möglich!

Mit meiner Leistung bin ich den Umständen entsprechend zufrieden, dass die Beine noch nicht wieder frisch sein könnten, darauf war ich eingestellt. Daher ist jetzt etwas Regeneration angesagt, bevor es in einen neuen Trainingsblock ohne große Wettkämpfe für die zweite Saisonhälfte geht. Die nächsten beiden Mitteldistanzen für mich finden im heimatlichen Ostdeutschland statt, wo genau, dazu später mehr! 😉

Und um den Kreis zu schließen: Papa finishte die Olympische Distanz mit 41km Radfahren und 10,8km Laufen nach starken 2:33h! Mit normalen Rennrad! Ohne Klickpedale! Und mit unrasiertem Beinen! Sohn ist stolz auf dich! 😀

Erste Bilder vom Rennen gibt es dank Ingo Kutsche hier:

Der Präsident des Bayrischen Triathlonverbandes sagte auf der Pressekonferenz vor dem Rennen: “Der Chiemsee Triathlon ist ein Aushängeschild für Bayern!” Das kann ich so unterschreiben! Geniales Rennen! Daumen hoch!

 

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