Schritt für Schritt geht es aufwärts…

Es ist Sonntagvormittag, draußen schüttet es wie aus Eimern und die Beine sind noch schön platt vom gestrigen 35-km-Lauf im Wettkampftempo. Auch sonst steht ausnahmsweise mal kein Termin an und ich komme nun endlich mal dazu ein paar Worte über die vergangenen Wettkämpfe zu schreiben.

Am Sonntag dem 04. September bin ich beim Silberstrom Triathlon über die olympische Distanz im sächsischen Schneeberg gestartet. Sieben Tage darauf stand der IRONMAN 70.3 Weymouth in Südengland an. Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, eine Woche vor einem großen Wettkampf, eine Olympische Distanz als harte Trainingseinheit zu absolvieren.  Außerdem war der Silberstrom Triathlon etwas Besonderes für mich, denn genau bei jenem Wettkampf habe ich vor 9 Jahren meinen erst zweiten Triathlon und meine erste Olympische Distanz absolviert.

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Insofern war es richtig schön unweit meiner eigentlichen Heimat im Erzgebirge zu starten und den Wettkampf dann auch zu gewinnen. Allerdings wurde es härter als gedacht. Kurz vor dem Start habe ich noch schnell meine Laufräder gewechselt und dabei nicht daran gedacht die hintere Bremse entsprechend zu justieren. Diese war dann also auf Dauerbremsmodus gestellt und ich habe mich beim Radfahren gewundert warum es, trotz sehr hoher Anstrengung, überhaupt nicht vorwärts ging und ich sogar überholt wurde. Ich schob es auf die erst zwei Wochen zurück liegende Langdistanz und das umfangreiche Training in den Tagen vor dem Wettkampf und war guter Dinge mit einem schnellen Lauf noch alles regeln zu können. So war es dann auch und nach dem, mit Abstand, schnellsten Lauf konnte ich mit viel Vorsprung gewinnen. Beim Ausschecken meines Rades sah ich dann das Dilemma…

Diese sehr harte Radeinheit war dann aber offensichtlich äußerst wirkungsvoll. Denn eine Woche später konnte ich in Weymouth nicht nur die schnellste Radzeit abliefern sondern mit dem 5. Platz auch mein bestes IRONMAN-Resultat bisher erzielen! Endlich lief es in einem großen Rennen in diesem Jahr mal richtig gut.

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Das Schwimmen verlief, quasi wie immer in dieser Saison, mittelmäßig und ich kam mit drei Minuten Rückstand auf die Spitze als 14. aus dem Wasser. Angesichts meines sehr geringen Trainingsumfangs im Schwimmen aus verschiedenen Gründen, ist das in Ordnung. Allerdings ist hier im Hinblick auf die nächste Saison deutliches Steigerungspotential vorhanden um diesen Rückstand zumindest wieder zu halbieren.

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Nach einem schnellen Wechsel legte ich am Rad zügig los und konnte direkt eine größere Gruppe auf den ersten (und einzigen) flachen Kilometern überholen. Nur zwei Mann konnten mitgehen und wir arbeiteten uns, fair zusammenarbeitend, im hohen Tempo weiter nach vorn. Wir holten noch drei Athleten ein und waren ab ca. 30 km eine sechsköpfige Verfolgergruppe auf den Plätzen 4 bis 9. An den vielen steilen Anstiegen und Rampen hatte ich ordentlich zu kämpfen und musste regelmäßig tief in den roten Bereich gehen. In den Abfahrten und den technischen Passagen konnte ich meine Streckenkenntnis (ich war die Runde vier Tage vor dem Rennen abgefahren) nutzen und lies es richtig laufen. (Maximale Geschwindigkeit 93 km/h!) Drei Athleten mussten dieser Tempohatz schließlich Tribut zollen und ich rollte zusammen mit einem Franzosen und einem Amerikaner auf den Plätzen 4 bis 6 mit etwa drei Minuten Rückstand auf die Spitze zum zweiten Wechsel.

Durch eine schnellen Wechsel und den Verzicht auf Socken ging ich zusammen mit Yvan Larrige (FRA) mit ca. 20 sec Vorsprung vor Justin Metzler (USA) auf die Laufstrecke. Wir liefen Seite an Seite in einem Tempo um die 3:30 min/km, bauten den Vorsprung kontinuierlich aus und machten Zeit auf die  Spitze gut. Meine Beine waren von dem harten Radpart zwar schon ziemlich angeschlagen, die Aussicht auf eine Topplatzierung motivierte jedoch unheimlich und es lief gut.

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Bis ca. km 15 waren wir untrennbar und pushten uns gegenseitig. Dann hatte ich einen ziemlichen Tiefpunkt, die Beine wurden immer schwerer und ich musste das Tempo drosseln. Mit Cola und Kampfgeist rettete ich meine Top-5-Platzierung ins Ziel. Yvan lief noch bis auf den 3. Rang vor, ich war trotzdem mit meinem 5. Platz überglücklich. Ich habe alles gegeben und raus geholt, mehr war am Ende einfach nicht mehr drin.

Entsprechend motiviert sehe ich nun meinem letzten Saisonhöhepunkt, dem IRONMAN Barcelona, in zwei Wochen entgegen. Die Form stimmt und ich hoffe ein ähnlich gutes Rennen noch einmal über die lange Strecke abliefern zu können.

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Ein kleiner Nachtrag noch zum Wettkampf an sich: Wer echte und ehrliche „Männerrennen“ machen will, sollte den Weg über den Kanal wählen. Auf der Jagd nach schnellen Zeiten setzen viele Veranstalter ja gern auf möglichst schnelle Strecken und lassen hier und da gerne mal ein paar Meter bei der Streckenvermessung weg. In Weymouth waren es 1990 m zu schwimmen, 92,5 km mit knapp 1100 hm auf dem Rad und windige 21,3 km zu laufen… Belohnt wurde man dafür mit schönen Ausblicken auf eine einzigartige Landschaft, klares und sauberes Meerwasser sowie einer tollen Stimmung und Kulisse auf der Laufstrecke.

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